An die Stifte fertig los - Carolin Hensler im Interview

Wir haben es alle schon einmal irgendwo gesehen. Ob im Café auf einer Schieferntafel, als Logo eines Blogs, oder auf zahlreichen Instagram-Profilen: Handlettering. An diesem Trend kommt man nicht vorbei und das finden wir auch gut so. 


von Marie-Louise Wenzl-Sylvester
Seinen Ursprung hat die neue Kunstform in der Kalligraphie (griechisch καλός kalós, deutsch „schön“ und γράφειν gráphein „schreiben, zeichnen“). Ein Kalligraph verwendet Schreibwerkzeuge, wie Feder und Pinsel mit Tusche, oder Aquarellfarben, um auf verschiedenen Papieren, Karton oder Pergament damit zu arbeiten. Das Ergebnis ist oft farbig und reich an Verzierungen gestaltet. Bereits über mehrere Jahrtausende kann man die Geschichte der Kalligraphie nachvollziehen. 

Eine abgwandelte neue Form davon ist das von uns so gehypte Handlettering. Dieser Trend stammt aus dem englischsprachigen Raum. Aber Dank Instagram, Pinterest und Co. schwappt er kontinuierlich zu uns über und beginnt langsam sich zu etablieren. Mittlerweile haben sich auch eigene Berufsfelder daraus entiwckelt. Für verschiedene Luxus-Modelabels gewinnt es beispieslweise zunehmend an Beliebtheit, Einladungen für Events von Profis per Hand lettern zu lassen. 

Doch man muss nicht unbedingt Profi sein, um Freude an der kreativen Schönschrift zu haben. Fürs klassische Handlettering benötigt man nicht mehr, als Bleistift und Fineliner. Zwei Utensilien, die so gut wie jeder von uns in seinem Mäppchen findet. Beim sogenannten Brushlettering wird schon etwas mehr erfordert. Einen Brushpen/ Pinselstift mit einer Spitze, die aus feinen Härchen besteht. Beide Versionen beherrscht die studierte Germanistin und Literaturwissenschaftlerin Carolin Hensler, die mir verraten hat, wie sie ihr Hobby zum Beruf machte. 




Deine Schriftzüge gefallen mir sehr gut! Seit wann beschäftigst Du Dich schon mit Handlettering?

Der „see you in 2018“-Schriftzug, den ich für euch gemacht habe, ist mit einem Brushpen geschrieben. Das mache ich erst seit ungefähr zwei Wochen. Aber beim Handlettering bin ich jetzt seit ungefähr einundhalb Jahren. 

Bist Du auch, wie wir, durch Social Media darauf aufmerksam geworden? 

Nein. Ich mache mein Volontariat bei arsEdition, ein deutscher Kinder- und Geschenkbuchverlag. Anfang letzten Jahres kam jemand im Verlag auf mich zu. Es sollte ein Handlettering Buch herausgebracht werden und ich war mit zwei Kollegen für die Entwicklung der Schriftzüge und kleiner Illustrationen zuständig. Dann hatte ich ein halbes Jahr Zeit, bis das Buch erschienen ist. In der Zeit war ich natürlich viel auf Pinterest, Instagram und Co. für Recherchen unterwegs. 

Und seitdem bist Du auch privat davon begeistert? 

Und wie! Schönschrift und Zeichnen war mir schon in der Grundschule das Liebste. Aber das Experimentieren mit der eigenen Handschrift mit verschiedensten Stiften ist etwas Neues und es begeistert mich, wie man hier seinen eigenen Stil entwickeln kann. 



Wie würdest du Deinen Stil beschreiben?

Verträumt, mädchenhaft, verspielt.

Welche Stifte benutzt Du am liebsten? 

Mein Dad hat mir das 48er Set von Koi geschenkt, das ist allerdings ziemlich teuer. Die meisten benutzen Pens von Tombow. Wichtig ist hier, dass die Spitze nicht schnell ausfranst, damit man auch dünne Linien damit hinbekommt. Fürs Handlettering reichen ein normaler dünner Fineliner und Bleistift. 

Was macht Dir mehr Spaß? Brush- oder Handlettering?

Das Handlettering ist recht technisch. Hier benötigt man am Anfang Hilfslinien und es sollte mit Bleistift vorgezeichnet werden. Beim Brushlettering sind verschiedene Höhen der Buchstaben gewollt, es ist unkomplizierter. Ich kann dabei super abschalten, es hat etwas Meditatives. 

Liegt Dein Talent in der Familie?

Sicher bin ich mir nicht. Meine Mutter ist handwerklich sehr begabt, meine Zwillingsschwester kann sehr gut zeichnen und mein Vater bekommt nicht mehr, als alberne Strichmännchen aufs Papier.


Foto: Karoline Glasow

Gibt es jemanden, der Dich in der Branche inspiriert? 

Frau Hölle. Ihr moderner Stil gefällt mir sehr gut. 

Was sollte man als Anfänger unbedingt beachten? 

Für mich war es hilfreich zuerst das ganze Alphabet auszuprobieren. Ich empfehle erst Kleinbuchstaben (Minuskeln), dann Großbuchstaben (Majuskeln). Beim Brushlettering ist wichitg, dass der Aufstrich dünn und der Abstrich dick ist. Und ab hier sind der Gestaltung keine Grenzen gesetzt. 

Und wie kriege ich es jetzt hin, so routiniert zu werden, wie Du? Ich glaube, ich spreche für mein ganzes Team, wenn ich sage „wir wollen das auch!“ 

„Üben, Üben, Üben“ ist mein Kredo. Täglich 10-20 Minuten und milde mit sich selbst sein. Es gelingt nicht alles auf Anhieb.

Hast du schon Projekte fürs neue Jahr?

Auf jeden Fall werde ich meinen Fokus auf Brushlettering legen und viele neue Varianten ausprobieren. Außerdem will ich einen Kurs für alle Adobe Programme belegen, damit ich meine Illustrationen und Schriftzüge selbst bearbeiten kann. Fitter in Sachen Social Media werden, steht auch auf meiner Liste. 


Ein Beitrag geteilt von Caro (@farbheldin) am

Vielen Dank, liebe Carolin! Wir freuen uns, auf viele weitere Kreationen von Dir! 

Wie Ihr dem Titelbild, das Carolin für uns gemacht hat, entnehmen könnt, gehen wir bis Anfang Januar in die Weihnachtspause. Wir wünschen Euch ein cozy und besinnliches Weihnachtsfest und eine tolle Silvesterparty! Wir freuen uns, wenn Ihr im neuen Jahr wieder vorbeischaut! 

Alles Liebe, 


Eure Angela, Aline, Marie-Louise und Sonja 

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